Wird die Zündkerze zum Grablicht? – Tausende Jobs in Gefahr, Baden-Württemberg droht der wirtschaftliche Abschwung

Stuttgart 19.12.2019: Baden-Württemberg ist das Autoland schlechthin in der Bundesrepublik. Hier bauen Daimler, Porsche und Audi ihre Oberklassenfahrzeuge für die Weltmärkte, hier sitzt mit Bosch der größte Autozulieferer, rund 470.000 Personen arbeiten in der PS-Branche. „Es gibt weltweit kein vergleichbares Automobilcluster, in dem alle wichtigen Akteure und Kernkompetenzen auf so engem Raum versammelt sind wie in Baden-Württemberg“, sagt die Stuttgarter Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Selbstbewusst präsentiert sich das Land seit Jahren mit „wir können alles außer Hochdeutsch“.

“Neben Hochdeutsch-Kenntnissen sind im Südwesten normalerweise auch Wirtschaftsflauten nicht so ausgeprägt wie anderswo. Doch damit ist es jetzt vorbei. Die nächste Krise wird vor allem den Südwesten treffen“, warnt der Böblinger Abgeordnete Harald Pfeiffer.

Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass nicht nur eine vorübergehende Wirtschaftsflaute droht, sondern ein langer Abschwung. Schon auf kurze Sicht sind zehntausende Jobs kaum noch zu retten. Allein bei Bosch mussten in den vergangenen zwei Jahren 2500 Mitarbeiter gehen, nun sollen in den kommenden zwei Jahren weitere 3300 Stellen im Automobilbereich wegfallen. Daimler plant über 1 Milliarde Euro an Personalkosten bis 2022 einzusparen, Stellen von 1.100 Führungskräften sollen in einem ersten Schritt wegfallen. Betriebsräte der beiden Konzerne befürchten, dass das Ende der Fahnenstange damit aber noch lange nicht erreicht ist. Und zu allem Unglück hat nun auch Audi umfangreiche Stellenstreichungen vermelden müssen. Dort fallen bis zum Jahr 2025 rund 9500 Stellen dem technologischen Umbruch zum Opfer, während gleichzeitig in den Bereichen Elektromobilität und Digitalisierung lediglich 2000 neue Stellen entstehen werden.

Hinzu kommt: Weitgehend unbeachtet von der überregionalen Medienberichterstattung wird die E-Mobilität auch bei kleinen und mittelständischen Automobilzulieferern zu umfangreichen Stellenstreichungen führen.

„Wie dramatisch die negativen Auswirkungen der grünen Verkehrswende für Baden-Württemberg tatsächlich sein werden, wird derzeit häufig mit irreführenden Jubelmeldungen verschleiert, die mit Blick auf die neu entstehenden Arbeitsplätzen im Bereich E-Mobilität verbreitet werden“, warnt der Böblinger Landtagsabgeordnete. „Zwar ist es richtig, dass die Arbeitsplätze gegengerechnet werden müssen, die im Bereich der E-Mobilität neu entstehen. Was hier in Baden-Württemberg aber häufig ignoriert wird ist die Tatsache, dass vergleichsweise wenige dieser neuen Arbeitsplätze hier im Südwesten entstehen werden“, so Pfeiffer. Als Beispiele für diesen Trend nennt der Landespolitiker die geplante „Gigafactory“ von Tesla in Brandenburg, sowie die neue Forschungsfabrik für Batteriezellen, die ebenfalls nicht etwa im Ländle entsteht, sondern in Münster.

Mittelfristig könnte der Verlust an Arbeitsplätzen aber noch weit dramatischere Ausmaße annehmen, warnt der Böblinger Landtagsabgeordnete. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die negativen Erfahrungen bei der Energiewende. Dort träumte man zu Beginn ebenfalls von der Entstehung zig-tausender neuer Arbeitsplätze im Bereich der Solarindustrie. Trotz Milliarden an Fördergeldern wurde diese Branche durch die Billig-Konkurrenz aus China zerstört.

Eine ähnlich desaströse Entwicklung droht Harald Pfeiffer zufolge nun auch bei der v.a. von den Grünen forcierten Verkehrswende: „Wenn wir mal von der Batterie absehen, dann stellt der Elektroantrieb sehr viel geringere Anforderungen an die Ingenieurskunst, als dies bei der Verbrennungstechnik der Fall ist. Niemand auf der Welt beherrscht die Antriebstechnik rund um den Verbrennungsmotor so wie die deutschen Autohersteller. Ein Elektro-Auto ist aber ungleich einfacher zu bauen. Dieser simplen Tatsache werden viele deutsche Produktionsstandorte früher oder später zum Opfer fallen.“

In Baden-Württemberg, wo ca. eine halbe Million Arbeitsplätze an der Automobil-Branche hängen, sieht der Landtagsabgeordnete daher bei den Grünen Zauberlehrlinge am Werk, die eine Entwicklung in Gang setzen, die bald eine Eigendynamik entwickeln und außer Kontrolle geraten könnte. „Den unaufhaltsamen Niedergang einer ganzen Region ließ sich über Jahrzehnte hinweg in NRW beobachten, nachdem dort die einstigen Schlüsselindustrien ins Ausland abzuwandern begannen und ansonsten abgewickelt wurden. Mit der rücksichtslosen Durchsetzung der E-Mobilität läuten die Grünen für Baden-Württemberg nun sehenden Auges eine ähnliche Abwärtsspirale ein“, warnt der Böblinger Landtagsabgeordnete Harald Pfeiffer.