Derzeit wird in vielen Großstädten deutlich, dass die Maßnahmen zur Eindämmung einer Epidemie durch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) regelrecht konterkariert werden. Viele Menschen, die in systemrelevanten Bereichen arbeiten (Krankenhäuser, Polizei, usw.), müssen derzeit dicht gedrängt in den Bussen und Straßenbahnen zu ihrem Arbeitsplatz fahren.

Beispiel Berlin:

In dem unten geteilten Artikel berichtet ein Leser der BZ: „„Die Bahnen sind so voll, dass nicht einmal ein Abstand von 20 Zentimetern gegeben ist.“ 

Pflicht wäre eigentlich ein Abstand von 1,5 Meter. Aber dies gilt in der Berliner Corona-Verordnung ausdrücklich nicht für die öffentlichen Verkehrsmittel, wie die BZ berichtet.

Beispiel Stuttgart: 

Ein Klinikmitarbeiter wird von der Stuttgarter Zeitung wie folgt zitiert: „Wie kann man schnell zu Covid 19 kommen? In einer vollen Bahn morgens um halb sechs zur Arbeit ins Krankenhaus fahren.“

(Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.volle-s-und-stadtbahnen-scharfe-kritik-neuen-fahrplaenen.7a50f477-b7bb-499f-b540-bba00f39fa91.html)

Gewiss, in Stuttgart veranlasste OB Kuhn umgehend, dass die Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel erhöht wurde, um so die Zahl der Passagiere pro Fahrt zu verringern. Aber selbst wenn durch diese Maßnahme der Mindestabstand im Öffentlichen Personennahverkehr nun zumindest Teilweise eingehalten werden kann, so bleibt das Ansteckungsrisiko in den relativ kleinen geschlossenen Räumen der öffentlichen Verkehrsmittel sowie beim Ein- und Ausstieg vergleichsweise hoch. Eine höhere Taktung der Fahrten verringert das Ansteckungsrisiko also nur graduell. 

WAS WÄRE WENN?

Angesichts einer steigenden Weltbevölkerung, und Angesichts eines immer intensiveren weltweiten Waren- und Personenverkehrs warnen Epidemologen davor, dass Pandemien in Zukunft häufiger und gefährlicher werden könnten. 

Die aktuellen Ereignisse machen deutlich, dass wir uns auf solche Szenarien vorbereiten müssen! 

Eine verantwortungsvolle Verkehrspolitik muss sich daher auch der Frage stellen, ob sich Großstädte eine zu hohe Abhängigkeit vom ÖPNV zukünftig noch leisten kann. Sollten wir es bei einer zukünftigen Pandemie mit einem noch gefährlicheren Erreger als Covid19 zu tun bekommen, würde dies einen kompletten „shut down“ des Öffentlichen Personennahverkehrs notwendig machen, um eine Verbreitung des Erregers über den ÖPNV zu verhindern – insbesondere, um zu verhindern, dass sich systemrelevante Gruppen auf dem Weg von und zur Arbeit anstecken. 

Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ist während einer gefährlichen Epidemie folglich nur möglich, wenn Menschen, die in systemrelevanten Bereichen arbeiten, nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen!

Damit wird deutlich: Wir dürfen uns nicht zu sehr von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig machen! Denn sonst bliebe uns im Falle einer hochgefährlichen Epidemie nur die Wahl, ENTWEDER die Verbreitung des gefährlichen Virus über öffentliche Verkehrsmittel hinzunehmen, ODER aber die öffentlichen Verkehrsmittel zu schließen, und so einen Zusammenbruch systemrelevanter Bereiche und damit letztlich auch der öffentlichen Ordnung zu riskieren. 

BEIDE Entscheidungen hätten katastrophale Konsequenzen! 

DER GRÜNE TRAUM KANN SCHNELL ZUM ALPTRAUM WERDEN!

Ihren Kampf für die Energie- und Verkehrswende sowie für autofreie Innenstädte begründen die Grünen vor allem mit hypothetischen Szenarien: 

—- So begründen die Grünen den Kampf gegen den Verbrennungsmotor und für autofreie Innenstädte mit fragwürdigen Modellrechnungen, die zeigen sollen, dass Feinstaub und Stickoxide viele Menschen einige Monate Lebenszeit kosten könnte – was dann wiederum zu einer beeindruckenden Zahl an Lebensjahren aufsummiert wird. 

—- Ihren Kampf für die Energie- und Verkehrswende begründen die Grünen mit apokalyptischen Zukunftsszenarien, über deren Eintrittswahrscheinlichkeit sich nicht einmal die Experten des IPCC einig sind. 

Angesichts dessen ist es nur konsequent, wenn wir bei der langfristigen Ausrichtung unserer Verkehrspolitik und unserer Städteplanung auch hypothetische (dabei aber keineswegs unwahrscheinliche) Szenarien einer noch gefährlicheren Pandemie berücksichtigen, als wir sie derzeit bereits erleben. 

Und ein solches Szenario legt nahe, dass der grüne Traum von autofreien Städten im Falle einer Epidemie zu einem regelrechtem  Alptraum werden könnte. Ein Alptraum, gegen den alle Szenarien verblassen, die derzeit gegen Verbrennungsmotor ins Feld geführt werden. 

Umgekehrt zeigt dieses Szenario aber eben auch, dass unser Individualverkehr für unsere Gesellschaft und gerade auch für Menschen in Großstädten überlebenswichtig sein kann.

Harald Pfeiffer – MdL