Stuttgart, den 04.12.2020

https://www.tagesschau.de/ausland/corona-skigebiete-103.html

Dazu Harald Pfeiffer – MdL

Untersuchungen haben bestätigt, dass die meisten Coronavirus-Übertragungen dort stattfinden, wo viele Menschen sich über einen längeren Zeitraum in geschlossenen Räumen aufhalten. So simpel diese Erkenntnis ist, so willkürlich und aktionistisch sind die Maßnahmen, die Politiker aus dieser Erkenntnis ableiten, um Coronavirus-Übertragungen einzudämmen.

Diese Kombination aus Willkür und Aktionismus gipfelt derzeit in dem Bestreben mancher Politiker, europaweit den Ski-Tourismus zu verbieten. Begründet wird das Verbot kurz gesagt damit, dass es ein zweites Ischgl zu verhindern gälte.

Völlig unstrittig ist jedoch, dass Ischgl im Frühjahr nicht etwa deshalb zum Superspreader-Hotspot wurde, weil dort viele Menschen Ski gefahren sind, sondern wegen der „Apres Ski-Events“, bei denen Menschen dicht gedrängt in geschlossenen Räumen zusammen feierten.

Da „Apres Ski“ derzeit nicht möglich ist, wurde die eigentliche Ursache solcher Superspreader-Events bereits unterbunden. Darüber hinaus gelten auch in Skigebieten – so wie überall – die Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Mit einem generellen Skifahrverbot würde also schlicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, nach dem Motto „viel verbieten hilft viel“. Leider trifft hier aber eher das Gegenteil zu. Denn viel verbieten hilft in diesem Fall nicht nur wenig, sondern ist sogar destruktiv und kontraproduktiv!

DESTRUKTIV ist ein pauschales Verbot des Skitourismus vor allem deshalb, weil es einen immensen wirtschaftlichen Schaden anrichtet, der – wie im Falle der Schließung von Hotels und Gastronomie – in keinem Verhältnis zum epidemiologischen Nutzen des Verbots steht.

KONTRAPRODUKTIV ist ein pauschales Verbot des Skitourismus schon alleine deshalb, weil Erholung und Ausgleich für den Menschen überlebenswichtig ist. Gerade auch in Zeiten von Corona!  Hinzu kommt, dass der Aufenthalt in den Hochlagen der Alpen in vielerlei Hinsicht das Immunsystem stärkt. Nicht alleine durch die Bewegung an der frischen Luft, sondern auch, weil die Höhensonne in den schneebedeckten Alpen während der dunklen Jahreszeit die einzige Möglichkeit darstellt, um in Mitteleuropa auf natürliche Weise eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr sicherzustellen. Vitamin D wiederum ist von zentraler Bedeutung für unser Immunsystem.

Von den Befürwortern eines pauschalen Skifahr-Verbots wird häufig eingewandt, dass das Problem keineswegs nur die Apres Ski-Feiern seien, sondern auch die Anfahrt, das gemeinsame Anstehen und die gemeinsame Fahrt in den Gondeln.

Dieser Einwand ist entlarvend und wirft entscheidende Fragen auf:

WARUM soll in Österreich und in der Schweiz das Anstehen an Lift und Gondel so problematisch sein, dass es ein Verbot rechtfertigt, während gleichzeitig überall in Europa das zig-millionenfache Anstehen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kein Problem zu sein scheint?

WARUM sollen in Österreich und in der Schweiz die Fahrten einiger hunderttausend Skitouristen in  Gondeln so problematisch sein, dass es ein Verbot rechtfertigt, während gleichzeitig die täglichen Fahrten von zig-Millionen Menschen im ÖPNV selbst dann kein Problem zu sein scheinen, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel dabei völlig überfüllt sind?

Wer hier nun einwendet, dass der ÖPNV systemrelevant sei, weil damit das Krankenhauspersonal, Altenpfleger und ganz allgemein Arbeitnehmer an ihre Arbeitsplätze gelangen, der übersieht hierbei zwei wichtige Dinge:

Gerade weil mit dem ÖPNV täglich hunderttausende Krankenhausmitarbeiter und Altenpfleger transportiert werden, ist dieser aus epidemiologischer Sicht sehr viel problematischer als Lift und Gondel in den Alpen.

Zum anderen ignoriert dieser Einwand die Tatsache, dass es sich beim Skitourismus für große Teile Österreichs und der Schweiz um den umsatzstärksten Wirtschaftszweig handelt, der somit für die Finanzierung systemrelevanter Bereiche wie Sicherheit und Gesundheit überlebenswichtig ist.

Damit aber stellt sich die Frage, warum Politiker wie Markus Söder und Angela Merkel so vehement ein pauschales Verbot des Skitourismus fordern? 

Der Charme eines solchen Verbots liegt wohl nicht zuletzt darin, dass man sich damit als politischer „Macher“ in der Krise präsentieren kann, während die destruktiven Konsequenzen des Verbots andere treffen: Einerseits die Menschen, die in den Skiregionen Österreichs und der Schweiz leben; andererseits die Bürger, denen die Möglichkeit genommen wird, sich aktiv zu erholen und dabei ihr Immunsystem für die kommenden Monate zu stärken.